Rowohlt Buchverlag
Die siebte Million: Der Holocaust und Israels Politik der Erinnerung, Jürgen Peter Krause, Maja Ueberle-Pfaff, Tom Segev
Die siebte Million: Der Holocaust und Israels Politik der Erinnerung, Jürgen Peter Krause, Maja Ueberle-Pfaff, Tom Segev
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Die Hoffnung, ja, die Erwartung auf Erlösung aus dem alptraumhaften Schrecken richteten die Überlebenden der «Endlösung» 1945 auf das Gelobte Land, auf Palästina und die dort lebenden Juden. Doch statt auf Mitgfühl stießen sie auf Verdächtigungen und statt auf Interesse für Ihre Erfahrungen auf eisiges Schweigen.
Wie Schafe, so hörten sie, hätten sich die Ermordeten, die eigene Mutter, der Vater, die Töchter, die Söhne, die Freunde, wie Schafe hätten sie sich zum Schlächter treiben lassen, statt im Widerstand den Heldentod zu suchen. Wer aber überlebt habe, der sei schuldig geworden, denn nur durch Egoismus habe er sich gerettet, während die anderen starben. In aufrüttelnder Weise beschreibt der israelische Historiker und Journalist Tom Segev in «Die siebte Million» zum erstenmal den Umgang der Israelis mit dem Holocaust, seinen millionenfachen Opfern und denen, die überlebten.
Der Text beschreibt die erste Phase der israelischen Staatsgründung (1948 bis ca. 1961).
Der Konflikt: Segev beschreibt den Zusammenprall zweier Welten. Auf der einen Seite die "Sabras" (die in Israel geborenen, stolzen, kämpferischen "neuen Juden"), auf der anderen Seite die traumatisierten Überlebenden aus Europa.
Der Mythos: Wie der Text sagt, wurden die Überlebenden oft verachtet („Wie Schafe zur Schlachtbank“). Das junge Israel brauchte Helden (wie die Aufständischen im Warschauer Ghetto), keine Opfer.
Die These: Segev gehört zu den „Neuen Historikern“. Er analysiert schonungslos, wie der Holocaust politisch instrumentalisiert wurde – zur Rechtfertigung des Staates, für Reparationszahlungen, aber ohne echtes emotionales Verständnis für die Individuen in den ersten Jahren.
Dieses Buch ist schwere Kost, aber für das Verständnis des modernen Israel unverzichtbar.
1. Das Brechen des Schweigens Der Textauszug spricht von „eisigem Schweigen“. Segev zeigt auf, dass dieses Schweigen erst mit dem Eichmann-Prozess (1961) wirklich gebrochen wurde. Erst da begriffen viele Israelis, was diese Menschen wirklich durchgemacht hatten, und die Verachtung wich dem Schock und der Empathie.
2. Die Demontage von Helden Segev scheut sich nicht, auch die "Väter" des Staates (wie Ben-Gurion) zu kritisieren. Er zeigt, dass politische Interessen oft vor der Rettung von Menschenleben standen. Das macht das Buch so kontrovers und so ehrlich.
1. Der Konflikt „Sabra“ vs. „Opfer“ (Dein Textauszug) Segev arbeitet brillant heraus, wie grausam die Anfangsjahre für die Überlebenden waren.
Das zionistische Ideal war der „neue Jude“: stark, wehrhaft, braun gebrannt, der den Boden bearbeitet.
Die Überlebenden aus den KZs waren das Gegenteil: blass, traumatisiert, Opfer. Sie erinnerten den jungen Staat an das, was er hinter sich lassen wollte: die Schwäche des Exils („Galut“).
Segev belegt historisch, wie diese Menschen ausgegrenzt und psychisch unter Druck gesetzt wurden („Warum habt ihr nicht gekämpft?“). Das ist der emotionalste Teil des Buches.
2. Die politische Instrumentalisierung Segev zeigt schonungslos den Pragmatismus der Führung um Ben-Gurion.
Der Holocaust wurde politisch genutzt, um die Legitimation des Staates zu sichern und – noch kontroverser – um durch das Wiedergutmachungsabkommen mit Deutschland (1952) die fast bankrotte israelische Wirtschaft zu retten.
Die Frage: „Darf man Geld für vergossenes Blut nehmen?“ zerriss damals die Gesellschaft. Segev zeichnet diese Debatten minutiös nach.
3. Der Wendepunkt (Eichmann-Prozess) Das Buch beschreibt meisterhaft, wie sich das Blatt wendete. Mit dem Eichmann-Prozess (1961) durften die Opfer erstmals öffentlich sprechen (und im Radio gehört werden). Plötzlich verstand die junge Generation: Das waren keine „Schafe“, das waren Helden, die in der Hölle überlebt hatten. Der Holocaust wurde vom Schandfleck zum zentralen Identitätsmerkmal Israels.
Das Buch wurde (besonders bei Erscheinen in den 90ern) heftig attackiert.
Vorwurf der Einseitigkeit: Kritiker werfen Segev vor, er urteile zu hart über die zionistische Führung der 30er und 40er Jahre. Er unterstellt ihnen teilweise, das Schicksal der europäischen Juden sei ihnen zweitrangig gewesen gegenüber dem Ziel der Staatsgründung. Man muss wissen, dass Segev hier eine sehr kritische Position einnimmt.
Zustand: gebraucht
Autor(en): Jürgen Peter Krause, Maja Ueberle-Pfaff und Tom Segev
Publikations Jahr: 1995
Seiten: 768
Bindung: Gebundene Ausgabe
Sprache: Deutsch
Herausgeber: Rowohlt Buchverlag
EAN: 9783498062446
ISBN: 3498062441
Gewicht: 956.0 g
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